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KNKesselNorm
Wissen · Werkstoffe

16Mo3, 13CrMo4-5 und 10CrMo9-10: warmfeste Stähle im Druckgerätebau schweißen

Vorwärmen, Zwischenlage, Wärmebehandlung nach dem Schweißen und Zusatzwerkstoff — was Hersteller angeben, wo die Angaben auseinandergehen und was davon in Schweißanweisung und Bauakte gehört.

Was ist 16Mo3?

16Mo3 (Werkstoffnummer 1.5415) ist ein molybdänlegierter warmfester Stahl; 13CrMo4-5 (1.7335) und 10CrMo9-10 (1.7380) sind zusätzlich mit Chrom legiert. Salzgitter Flachstahl führt 16Mo3 und 13CrMo4-5 im Sortiment für warmfeste Druckbehälterstähle nach EN 10028-2. thyssenkrupp Materials Services nennt als Einsatz von 16Mo3 und 13CrMo4-5 vor allem Rohre im Kesselbau, Heißdampfleitungen und Sammler, für 10CrMo9-10 auch Dampfkessel, Kesseltrommeln und Druckbehälter im Apparatebau.

Beim Lieferzustand lohnt der Blick ins Zeugnis: Salzgitter liefert 16Mo3 und 13CrMo4-5 nach eigener Angabe im gewalzten Zustand und prüft an Proben mit simulierter Wärmebehandlung; thyssenkrupp Materials Services nennt für 16Mo3 als üblichen Lieferzustand normalgeglüht (+N) und für Blech aus 13CrMo4-5 und 10CrMo9-10 normalgeglüht und angelassen (+NT). Welcher Zustand geliefert wurde, steht im Zeugnis der Charge.

Fassung: Den Normtext der EN 10028-2 geben wir nicht wieder. Alle Werte auf dieser Seite sind Angaben der genannten Stahl- und Zusatzwerkstoff-Hersteller beziehungsweise Händler, abgerufen am 5. Oktober 2026.

Vorwärmen und Wärmebehandlung: was die Hersteller angeben

Die Angaben stehen nebeneinander, so wie die Quellen sie nennen. Sie weichen voneinander ab — verbindlich ist der Wert in Ihrer Schweißanweisung, belegt durch die Verfahrensprüfung.
  • 16Mo3

    Werkstoffnummer 1.5415

    Vorwärmen

    • thyssenkrupp Materials Services: bei Dicken über 10 mm auf 200 °C
    • voestalpine Böhler Welding: Richtwert 100–250 °C, abhängig von der Werkstoffdicke

    Wärmebehandlung nach dem Schweißen

    • thyssenkrupp Materials Services: für Werkstücke nach den Technischen Regeln für Dampfkesselanlagen besonders festzulegen, in allen anderen Fällen spannungsarm zu glühen — ohne Temperaturangabe
    • Eine Glühtemperatur nennt nur ein Zusatzwerkstoff-Hersteller; wir geben deshalb keinen Wert an

    Zusatzwerkstoff

    Schweißgut vom Typ 0,5Mo (Böhler); thyssenkrupp nennt Union I Mo

  • 13CrMo4-5

    Werkstoffnummer 1.7335

    Vorwärmen

    • thyssenkrupp Materials Services: bei Dicken über 10 mm auf 200 °C
    • voestalpine Böhler Welding: Richtwert 200–300 °C, abhängig von der Werkstoffdicke
    • Lincoln Electric: 200–250 °C

    Wärmebehandlung nach dem Schweißen

    • thyssenkrupp Materials Services: Spannungsarmglühen 600–650 °C
    • voestalpine Böhler Welding: typisch 600–700 °C
    • Lincoln Electric: 660–700 °C

    Zusatzwerkstoff

    Schweißgut vom Typ 1Cr-0,5Mo (Böhler) bzw. 1,25Cr-0,5Mo (Lincoln Electric)

  • 10CrMo9-10

    Werkstoffnummer 1.7380

    Vorwärmen

    • thyssenkrupp Materials Services: bei Dicken über 10 mm auf 200 °C
    • voestalpine Böhler Welding: Vorwärmung 150–350 °C, abhängig von der Wanddicke
    • Lincoln Electric: 200–250 °C

    Wärmebehandlung nach dem Schweißen

    • voestalpine Böhler Welding: üblich 650–750 °C
    • Lincoln Electric: 690–740 °C

    Zusatzwerkstoff

    Schweißgut vom Typ 2,25Cr-1Mo (Böhler, Lincoln Electric)

Die Herstellerblätter der Zusatzwerkstoffe sagen selbst, dass Vorwärmung, Zwischenlagentemperatur und Wärmenachbehandlung auf den vorliegenden Grundwerkstoff abzustimmen sind. Für die Zwischenlagentemperatur nennt nur eine der Quellen einen eigenen Wert; wir geben deshalb keinen an — sie gehört als Höchstwert, falls erforderlich auch mit Mindestwert, in die Schweißanweisung (EN ISO 15609-1).

Wärmebehandlung als Fertigungsnachweis

Die Druckgeräterichtlinie knüpft die Wärmebehandlung an das Risiko: Können die Werkstoffeigenschaften durch das Fertigungsverfahren so stark geändert werden, dass die Sicherheit des Druckgeräts beeinträchtigt wird, ist in einem geeigneten Fertigungsstadium eine angemessene Wärmebehandlung durchzuführen (Anhang I Nr. 3.1.4).

Für Auftragschweißungen im Anlagen-, Behälter- und Rohrleitungsbau hält das DVS-Merkblatt 3010 (Ausgabe 07/2020) fest, dass Wärmebehandlungen etwa bei warmfesten CrMo-Stählen erforderlich sein können, dass Aufheiz- und Abkühlrate, Haltetemperatur und Haltedauer unter Berücksichtigung von Werkstoffpaarung und Konstruktion zu wählen sind — und dass Wärmebehandlungen in der Verfahrensprüfung nachgewiesen werden müssen.

In der Bauakte heißt das: Die Wärmebehandlung steht in der Schweißanweisung, die Verfahrensprüfung wurde mit ihr gefahren, und ein Glühprotokoll belegt, dass das Bauteil so behandelt wurde. Letzteres ist Praxis, keine Vorgabe der Richtlinie in dieser Form.

Zusatzwerkstoff zuordnen

Die Zusatzwerkstoff-Hersteller ordnen jedem der drei Stähle einen artgleichen Schweißguttyp zu: 16Mo3 dem Typ 0,5Mo, 13CrMo4-5 dem Typ 1Cr-0,5Mo beziehungsweise 1,25Cr-0,5Mo, 10CrMo9-10 dem Typ 2,25Cr-1Mo. Welche Marke und welches Verfahren Sie einsetzen, legen Schweißanweisung und Verfahrensprüfung fest.

Für Schweißzusatzwerkstoffe gelten nach Anhang I Nr. 4 der Druckgeräterichtlinie nur die Anforderungen der Nummern 4.1, 4.2 Buchstabe a und 4.3 erster Absatz — einzeln und in der Verbindung. Als Prüfbescheinigung des Zusatzwerkstoff-Herstellers nennt die Leitlinie G-10 der Kommissions-Arbeitsgruppe „Pressure“ das Werkszeugnis 2.2 nach EN 10204. Für den Grundwerkstoff der wichtigsten drucktragenden Teile gilt ab Kategorie II die Bescheinigung mit spezifischer Prüfung (Anhang I Nr. 4.3) — mehr dazu auf der Seite P265GH und P235GH.

Zusatzwerkstoffe mit Bezeichnung und Zuordnung führt der Katalog der Druckgeräte Schweißdoku Software; dort stehen sie im WPS-Wizard zur Auswahl, und der Deckungscheck stellt Schweißanweisung, Verfahrensprüfung und Schweißerprüfung gegeneinander.

Was diese Seite nicht leistet

Diese Seite gibt Angaben von Herstellern und Händlern sowie den Richtlinientext wieder. Sie legt keine Vorwärm- oder Glühtemperatur für Ihr Bauteil fest und ersetzt weder das Werkstoffblatt noch die Verfahrensprüfung noch das Regelwerk, nach dem das Gerät gebaut wird. Keine Rechtsberatung.

Häufige Fragen

Was ist 16Mo3?
16Mo3 (Werkstoffnummer 1.5415) ist ein molybdänlegierter warmfester Stahl, den Hersteller in ihren Sortimenten für Druckbehälterstähle nach EN 10028-2 führen. thyssenkrupp Materials Services nennt als Einsatz vor allem Rohre im Kesselbau, Überhitzerrohre, Heißdampfleitungs- und Sammlerrohre.
Muss 16Mo3 vorgewärmt werden?
Die Quellen nennen eine Vorwärmung, aber nicht denselben Wert: thyssenkrupp Materials Services gibt für Dicken über 10 mm 200 °C an, voestalpine Böhler Welding empfiehlt als Richtwert 100–250 °C abhängig von der Werkstoffdicke. Verbindlich für die Fertigung ist der Wert, der in der Schweißanweisung steht und durch die Verfahrensprüfung belegt ist.
Was ist der Unterschied zwischen 16Mo3 und 13CrMo4-5?
16Mo3 ist mit Molybdän legiert, 13CrMo4-5 (1.7335) zusätzlich mit Chrom. Entsprechend unterscheidet sich der passende Zusatzwerkstoff: Die Hersteller ordnen 16Mo3 Schweißgut vom Typ 0,5Mo zu, 13CrMo4-5 Schweißgut vom Typ 1Cr-0,5Mo. Die Vorwärmangaben von voestalpine Böhler Welding liegen für 13CrMo4-5 höher (200–300 °C gegenüber 100–250 °C); thyssenkrupp Materials Services nennt für beide Stähle 200 °C bei Dicken über 10 mm.
Muss 13CrMo4-5 nach dem Schweißen geglüht werden?
Die Druckgeräterichtlinie verlangt eine angemessene Wärmebehandlung, wenn das Fertigungsverfahren die Werkstoffeigenschaften so stark ändern kann, dass die Sicherheit des Druckgeräts beeinträchtigt wird (Anhang I Nr. 3.1.4). Für 13CrMo4-5 nennen thyssenkrupp Materials Services, voestalpine Böhler Welding und Lincoln Electric Glühtemperaturen; welche Wärmebehandlung gilt, legen Regelwerk, Schweißanweisung und Verfahrensprüfung fest.
Welches Zeugnis braucht ein Schweißzusatz für Druckgeräte?
Für Schweißzusatzwerkstoffe gelten nach Anhang I Nr. 4 der Druckgeräterichtlinie nur die Anforderungen der Nummern 4.1, 4.2 Buchstabe a und 4.3 erster Absatz. Die Leitlinie G-10 der Kommissions-Arbeitsgruppe „Pressure“ nennt als Prüfbescheinigung des Zusatzwerkstoff-Herstellers das Werkszeugnis 2.2 nach EN 10204.

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