Hydrostatische Druckprüfung: Abnahme des Druckbehälters beim Hersteller
Was ist die hydrostatische Druckprüfung?
Die Druckgeräterichtlinie 2014/68/EU schreibt für die Abnahme jedes Druckgeräts, für das ihr Anhang I gilt, eine Druckfestigkeitsprüfung vor, die normalerweise in Form eines hydrostatischen Druckversuchs durchgeführt wird; der Druck hat dabei — falls anwendbar — mindestens dem in Nummer 7.4 festgelegten Wert zu entsprechen (Anhang I Nr. 3.2.2). Für serienmäßig hergestellte Geräte der Kategorie I kann diese Prüfung auf statistischer Grundlage durchgeführt werden.
Die Druckprüfung ist Teil der Abnahme, zu der auch die Schlussprüfung gehört: eine Sichtprüfung und Kontrolle der zugehörigen Unterlagen, bei der Prüfungen aus der Fertigung berücksichtigt werden können (Anhang I Nr. 3.2.1). Bei Baugruppen kommt die Prüfung der Ausrüstungsteile mit Sicherheitsfunktion hinzu (Nr. 3.2.3).
Fassung: Wir zitieren die Richtlinie 2014/68/EU; die Leitlinie H-16 der Kommissions-Arbeitsgruppe „Pressure“ nach der Fassung 5.1 vom Oktober 2018. Den Ablauf im Einzelnen — Haltezeiten, Prüfmedium, Bewertung — regeln die harmonisierten Normen und Regelwerke, nach denen das Gerät ausgelegt ist; deren Texte geben wir hier nicht wieder.
Prüfdruck für Druckbehälter nach Anhang I Nr. 7.4
Für Druckbehälter nennt die Richtlinie eine Untergrenze. Der hydrostatische Prüfdruck darf den höheren der folgenden Werte nicht unterschreiten:
- das 1,25-Fache der Höchstbelastung des Druckgeräts im Betrieb unter Berücksichtigung des höchstzulässigen Drucks und der höchstzulässigen Temperatur,
- das 1,43-Fache des höchstzulässigen Drucks PS.
Die Anforderungen der Nummer 7 sind „in der Regel“ anzuwenden. Werden sie nicht angewandt, muss der Hersteller nachweisen, dass er geeignete Maßnahmen für ein gleichwertiges Gesamtsicherheitsniveau ergriffen hat (Anhang I Nr. 7, Einleitung).
Nummer 7.4 spricht ausdrücklich von Druckbehältern. Für Rohrleitungen nennt die Richtlinie dort keinen Wert; wie Prüfdruck und Ersatzprüfung bei Rohrleitungen hergeleitet werden, beschreibt die Seite Druckprüfung von Rohrleitungen bei RohrNorm.
Wenn der Wasserdruckversuch nicht geht
Ist der hydrostatische Druckversuch nachteilig oder nicht durchführbar, so können andere Prüfungen durchgeführt werden, die sich als wirksam erwiesen haben. Für andere Prüfungen als den hydrostatischen Druckversuch sind zuvor zusätzliche Maßnahmen, wie zerstörungsfreie Prüfungen oder andere gleichwertige Verfahren, anzuwenden (Anhang I Nr. 3.2.2).
Ersatz durch eine Prüfung mit Gas ist kein gleichwertiger Tausch: Die Leitlinie H-16 der Kommissions-Arbeitsgruppe „Pressure“ weist darauf hin, dass pneumatische Druckprüfungen sehr gefährlich sein können. Die britische Arbeitsschutzbehörde HSE empfiehlt im Leitfaden GS4, wo immer möglich mit Wasser oder einer anderen Flüssigkeit statt mit Gas zu prüfen, um die im Prüfling gespeicherte Energie zu senken.
Wer die Druckprüfung durchführt — je nach Modul
Wer prüft, entscheidet das Konformitätsbewertungsverfahren, das sich aus der Kategorie des Geräts ergibt. Die Richtlinie verteilt die Abnahme nach Anhang I Nr. 3.2 so:
- Modul A2 und C2: Der Hersteller nimmt die Abnahme vor. Die notifizierte Stelle prüft in von ihr festgelegten unregelmäßigen Abständen — bei Modul A2 in Form unangemeldeter Besuche —, vergewissert sich, dass er die Abnahme tatsächlich durchführt, entnimmt Geräte und entscheidet, ob an ihnen die Abnahme ganz oder teilweise durchgeführt wird (Anhang III Modul A2 Nr. 4, Modul C2 Nr. 3).
- Modul F: Jedes Gerät wird einzeln untersucht; die notifizierte Stelle führt die Endabnahme und die Prüfungen nach Anhang I Nr. 3.2 durch oder lässt sie durchführen.
- Modul G: Die notifizierte Stelle führt die Schlussprüfung durch und nimmt die Druckprüfung vor oder lässt sie vornehmen.
- Qualitätssicherungsmodule bei Kategorie III und IV: Für bestimmte Behälter und beheizte Druckgeräte (Art. 4 Abs. 1 Buchst. a und b) entnimmt die notifizierte Stelle bei unangemeldeten Besuchen Geräte, um die Abnahme durchzuführen oder durchführen zu lassen — im ersten Fertigungsjahr mindestens zwei Besuche (Art. 14 Abs. 4). Bei Einzelanfertigung von Behältern und beheizten Druckgeräten der Kategorie III im Modul H führt sie die Abnahme für jedes Stück durch oder lässt sie durchführen (Art. 14 Abs. 5).
Welches Modul zu welcher Kategorie gehört, steht auf der Seite Einstufung nach Druckgeräterichtlinie; was die Stelle sonst prüft und wie Sie sie finden, auf der Seite Benannte Stelle für Druckgeräte.
Prüfdruck auf dem Typenschild, Protokoll in der Bauakte
Je nach Art des Druckgeräts verlangt die Richtlinie weitere Angaben auf dem Gerät, die zur Sicherheit bei Montage, Betrieb, Benutzung und gegebenenfalls Wartung und regelmäßiger Überprüfung erforderlich sind — als Beispiel nennt sie den aufgebrachten Prüfdruck PT in bar und das Datum (Anhang I Nr. 3.3 Buchstabe b). Die Prüfberichte gehören zu den technischen Unterlagen, die der Hersteller erstellt (zum Beispiel Anhang III Modul A2 Nr. 2).
Ablauf, Haltezeit und Protokollinhalt schreibt die Richtlinie nicht vor; sie folgen aus dem Regelwerk des Geräts und dem Prüfverfahren des Herstellers. Als Beispiel nennt das veröffentlichte Prüfverfahren eines Pumpenherstellers (Sulzer, TQ TP-0020) für das Prüfprotokoll unter anderem: Prüfgegenstand, Datum, Ergebnis, Prüfdruck, Prüfmedium, Prüftemperatur, Dauer, die Kennung des Manometers mit Fälligkeit der Kalibrierung und die prüfende Person. Den Kalibrierstand je Prüfmittel führt die Prüfmittelverwaltung der Software.
Druckprüfung, Dichtheitsprüfung und Schweißnähte
Die Druckprüfung belegt die Festigkeit. Ob ein Gerät unterhalb einer festgelegten Leckrate dicht ist, ist eine andere Frage — sie beantwortet die Helium-Dichtheitsprüfung, die dort zur Druckprüfung hinzukommt, wo das Gerät es verlangt. Passend dazu: Rohrbündelwärmetauscher: Schweißen und DGRL.
Die Nähte, die bei der Druckprüfung belastet werden, sind nach der Richtlinie von qualifiziertem Personal nach fachlich einwandfreien Arbeitsverfahren auszuführen; ab Kategorie II lässt eine unabhängige Stelle Verfahren und Personal zu (Anhang I Nr. 3.1.2). Die Druckprüfung selbst führt die Druckgeräte Schweißdoku Software nicht durch und bewertet sie nicht. Sie führt die Nachweise, auf die sich die Abnahme der Nähte stützt: Schweißanweisung, Verfahrensprüfung, Schweißerprüfung und Deckungscheck.
Was diese Seite nicht leistet
Diese Seite gibt den Richtlinientext wieder. Sie ersetzt weder das Auslegungs- und Prüfregelwerk Ihres Geräts noch die Festlegung von Prüfdruck und Prüfablauf durch Konstrukteur und beteiligte Stelle. Keine Rechtsberatung.
Häufige Fragen
- Was ist eine hydrostatische Druckprüfung?
- Die hydrostatische Druckprüfung ist die Druckfestigkeitsprüfung eines Druckgeräts mit einer Flüssigkeit. Die Druckgeräterichtlinie 2014/68/EU verlangt bei der Abnahme eines Druckgeräts eine Druckfestigkeitsprüfung, die normalerweise in Form eines hydrostatischen Druckversuchs durchgeführt wird (Anhang I Nr. 3.2.2).
- Wie hoch ist der Prüfdruck bei einem Druckbehälter?
- Nach Anhang I Nr. 7.4 der Druckgeräterichtlinie darf der hydrostatische Prüfdruck bei Druckbehältern den höheren von zwei Werten nicht unterschreiten: das 1,25-Fache der Höchstbelastung im Betrieb unter Berücksichtigung des höchstzulässigen Drucks und der höchstzulässigen Temperatur oder das 1,43-Fache des höchstzulässigen Drucks PS. Die Anforderungen der Nummer 7 sind in der Regel anzuwenden; wer sie nicht anwendet, muss ein gleichwertiges Gesamtsicherheitsniveau nachweisen.
- Kann die Wasserdruckprüfung ersetzt werden?
- Ja, wenn der hydrostatische Druckversuch nachteilig oder nicht durchführbar ist. Dann dürfen andere Prüfungen durchgeführt werden, die sich als wirksam erwiesen haben. Vorher sind zusätzliche Maßnahmen wie zerstörungsfreie Prüfungen oder andere gleichwertige Verfahren anzuwenden (Anhang I Nr. 3.2.2).
- Wer führt die Druckprüfung durch — Hersteller oder notifizierte Stelle?
- Das hängt vom Konformitätsbewertungsverfahren ab. Bei Modul G nimmt die notifizierte Stelle die Druckprüfung vor oder lässt sie vornehmen; bei Modul F führt sie die Prüfungen nach Anhang I Nr. 3.2 durch oder lässt sie durchführen. Bei Modul A2 nimmt der Hersteller die Abnahme selbst vor, überwacht durch unangemeldete Besuche der notifizierten Stelle; bei Modul C2 prüft die Stelle in von ihr festgelegten unregelmäßigen Abständen.
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