Druckbehälterstahl: EN 10028, P355-Güten und Werkstoffnachweis nach DGRL
Was ist Druckbehälterstahl?
EN 10028 Teil 1
Allgemeine Anforderungen
EN 10028 Teil 2
Unlegierte und legierte Stähle mit festgelegten Eigenschaften bei erhöhten Temperaturen
EN 10028 Teil 3
Schweißgeeignete Feinkornbaustähle, normalgeglüht
EN 10028 Teil 4
Nickellegierte kaltzähe Stähle
EN 10028 Teil 5
Schweißgeeignete Feinkornbaustähle, thermomechanisch gewalzt
EN 10028 Teil 6
Schweißgeeignete Feinkornbaustähle, vergütet
EN 10028 Teil 7
Nichtrostende Stähle
Teil 1 enthält die allgemeinen Anforderungen; die Teile 2 bis 7 enthalten die einzelnen Stahlgruppen. Fassung: Die Normtitel stammen aus der Normdatenbank von DIN Media (Teile 1 bis 6 Ausgabe 2017-10, Teil 7 Ausgabe 2016-10). Den Normtext selbst geben wir nicht wieder; Zahlenwerte auf dieser Seite stammen aus Herstellerdatenblättern und sind dort als solche benannt.
Kesselblech und warmfeste Stähle nach EN 10028-2
„Kesselblech“ ist nach unserer Einordnung die ältere deutsche Bezeichnung für diese Bleche: DIN 17155-1 (Ausgabe 1959) trug den Titel „Kesselbleche; Technische Lieferbedingungen“ (laut DIN Media); die zurückgezogene DIN 17155 ist laut Wikipedia der nationale Vorgänger von EN 10028-2 für Bleche aus warmfesten Stählen. Zu Teil 2 gehören unter anderem die unlegierten Güten P235GH, P265GH, P295GH und P355GH sowie legierte Stähle wie 16Mo3 und 13CrMo4-5. Laut Salzgitter Flachstahl werden diese Güten vor allem für Kessel, Druckbehälter und Rohrleitungen für heiße Flüssigkeiten verwendet.
Was beim Schweißen der beiden häufigsten Güten zu beachten ist, steht auf den Seiten P265GH und 16Mo3. Passend dazu: Klöpperboden und Korbbogenboden.
P355N, P355NH, P355NL1, P355NL2: Feinkornbaustähle nach EN 10028-3
P355N · 1.0562
Reihe: Raumtemperatur
Kerbschlagarbeit quer, mindestens: 30 J bei −20 °C
P355NH · 1.0565
Reihe: warmfest
Kerbschlagarbeit quer, mindestens: 30 J bei −20 °C
P355NL1 · 1.0566
Reihe: kaltzäh
Kerbschlagarbeit quer, mindestens: 27 J bei −40 °C
P355NL2 · 1.1106
Reihe: kaltzäh, Sonderreihe
Kerbschlagarbeit quer, mindestens: 27 J bei −50 °C
Die Mindeststreckgrenze ist laut beiden Herstellern für alle vier Güten gleich, 355 MPa bis 16 mm Dicke. P355N und P355NH haben dieselben Kerbschlagwerte; P355NH ist laut Salzgitter Flachstahl für Betriebstemperaturen bis 400 °C ausgelegt, und nur für P355NH nennt das Datenblatt von thyssenkrupp Dehngrenzen bei erhöhter Temperatur. Die kaltzähen Reihen NL1 und NL2 weisen die Zähigkeit bei tieferer Temperatur nach — wie der Wert entsteht und was die Druckgeräterichtlinie dazu verlangt, erklärt die Seite Kerbschlagbiegeversuch. Nicht zu verwechseln: P355GH gehört zu Teil 2 (warmfeste Stähle), P355NH ist die warmfeste Reihe der Feinkornbaustähle aus Teil 3.
Für die Schweißverfahrens- und Schweißerprüfung zählt die Werkstoffgruppe, in die eine Güte fällt. Wie die Gruppen nach ISO 15608 eingeteilt sind, erklärt die Seite Werkstoffgruppen nach ISO 15608 bei ZeugnisManager.
Werkstoffnachweis nach DGRL Anhang I Nr. 4
Die Richtlinie 2014/68/EU verlangt vom Hersteller des Druckgeräts, in den technischen Unterlagen die Einhaltung der Werkstoffvorschriften in einer von drei Formen nachzuweisen (Anhang I Nr. 4.2 Buchstabe b):
- Werkstoffe entsprechend den harmonisierten Normen,
- Werkstoffe mit einer europäischen Werkstoffzulassung für Druckgeräte nach Artikel 15 — sie erteilt eine dafür speziell benannte notifizierte Stelle,
- ein Einzelgutachten zu den Werkstoffen; bei Geräten der Kategorien III und IV lässt der Hersteller es von der zuständigen notifizierten Stelle besonders bewerten (Nr. 4.2 Buchstabe c).
Dazu kommen die Unterlagen des Werkstoffherstellers: Für alle Werkstoffe sind Unterlagen einzuholen, die die Übereinstimmung mit einer gegebenen Vorschrift bescheinigen; für die wichtigsten drucktragenden Teile der Kategorien II, III und IV in Form einer Bescheinigung mit spezifischer Prüfung der Produkte (Nr. 4.3). Welche Rolle die notifizierte Stelle dabei spielt, beschreibt die Seite Benannte Stelle für Druckgeräte.
Die Druckgeräte Schweißdoku Software führt die Schweißseite dieses Nachweises: Schweißanweisungen mit Grundwerkstoff, Verfahrensprüfungen, Schweißerprüfungen und Zusatzwerkstoffe. Werkstoffe prüft oder bewertet sie nicht.
Was diese Seite nicht leistet
Diese Seite gibt keine Werkstoffnorm wieder. Die genannten Zahlen stammen aus Herstellerdatenblättern; verbindlich sind die Norm in der für Ihr Gerät geltenden Ausgabe und das Zeugnis der gelieferten Charge. Keine Rechtsberatung.
Häufige Fragen
- Was ist Druckbehälterstahl?
- Druckbehälterstähle sind Stähle, die vornehmlich im Druckbehälterbau verwendet werden. Flacherzeugnisse daraus sind in der Normreihe EN 10028 genormt; Teil 1 enthält die allgemeinen Anforderungen, die Teile 2 bis 7 die einzelnen Stahlgruppen, etwa warmfeste Stähle in Teil 2 und normalgeglühte Feinkornbaustähle in Teil 3.
- Was unterscheidet P355N, P355NH, P355NL1 und P355NL2?
- Die vier Güten gehören zu EN 10028-3 und bilden Gütereihen: P355N für Raumtemperatur, P355NH als warmfeste Reihe, P355NL1 als kaltzähe Reihe und P355NL2 als kaltzähe Sonderreihe. Laut den Datenblättern von thyssenkrupp Materials Services und Salzgitter Flachstahl haben alle vier bis 16 mm Dicke dieselbe Mindeststreckgrenze von 355 MPa. P355N und P355NH haben laut beiden Datenblättern dieselben Kerbschlagwerte; P355NH ist laut Salzgitter Flachstahl für Betriebstemperaturen bis 400 °C ausgelegt. P355NL1 und P355NL2 unterscheiden sich in der tieferen Temperatur, bei der die Kerbschlagarbeit nachgewiesen wird.
- Was ist der Unterschied zwischen P355GH und P355NH?
- P355GH gehört zu EN 10028-2, den unlegierten und legierten Stählen mit festgelegten Eigenschaften bei erhöhten Temperaturen. P355NH ist die warmfeste Reihe der normalgeglühten Feinkornbaustähle nach EN 10028-3. Welche Güte für ein Bauteil vorgeschrieben ist, legt die Auslegung des Druckgeräts fest.
- Welchen Werkstoffnachweis verlangt die Druckgeräterichtlinie?
- Nach Anhang I Nr. 4.2 Buchstabe b der Richtlinie 2014/68/EU macht der Hersteller in den technischen Unterlagen Angaben in einer von drei Formen: Werkstoffe nach harmonisierten Normen, Werkstoffe mit europäischer Werkstoffzulassung nach Artikel 15 oder ein Einzelgutachten. Für die wichtigsten drucktragenden Teile der Kategorien II bis IV ist zudem eine Bescheinigung des Werkstoffherstellers mit spezifischer Prüfung nötig (Nr. 4.3).
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